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Aus dem Gedichtband: Zwischen Wäldern und Schloten, 1933

 

Karsamstag

 

Der Marktplatz steht im Licht,
es feiern Werk und Kran.
Ein buntes Ringelspiel
stimmt seine Orgel an.

 

Die Schenke birst vor Lärm.
Sie singen laut beim Wein
zum grellen Grammophon.
Was für ein Fest mag sein?

 

Geläut aus fernem Dorf
im Abendwinde hängt.
Aus wirrem Menschenschwarm
der Bauer einsam drängt.

 

Ja, Gott ist arm bei uns
und lebt sehr kümmerlich
im Schatten der Fabrik
wie Gras und Huflattich,

 

und lange mag der Wind
die Samen wehn ins Land,
bis wieder rauscht ein Wald
aus Schlacke, Rost und Sand.


                 "Zwischen Wäldern und Schloten, 1933

Der Vater

 

Am Sonntag, als die Dampfsirenen schwiegen,
rief ihn des Nachbars Hahn schon aus dem Schlaf.
Im Morgengraun wir aus dem Ruß der Dörfer stiegen,
bis uns der bittre Duft des Laubes traf.

 

Bereiftes Gras im frühen Lichte rauchte.
Schon loderten die Birken herbstentflammt.
Ein Bauer schwarz aus Nebelgründen tauchte
Und sackte grußlos in das Tal zum frühen Amt.

 

Der Vater kannte Bäume, die noch trugen,
biss schon der Reif die süßen Birnen an.
Er wusste, wo ins Laub Kastanien schlugen,
und zeigte mir den späten Pilz im Tann.

 

Dann aber trieb es ihn auf Ackerrainen
bis an der Bauernhöfe morsches Tor.
Geruch von warmem Heu quoll aus den Scheunen.
Die Schweine grunzten. Maische braun im Grase gor.

 

Das war die Welt, die noch sein Blut verstand,
das Vieh, der Roggen unterm Dach voll Moos.
Doch seine Augen irrten ab ins Land.
Auch in der Väter Heimat heimatlos,

 

suchte sein Blick das ferne, weißverschneite
Gebirge, das sich hell der Sonne gab.
Er starrte lang in die verklärte Weite,
dann stieg er stumm mit mir ins Tal hinab.


"Zwischen Wäldern und Schloten, 1933"

Die Arbeitslosen im Wald

 

Sie sehen nicht die purpurroten Disteln.
Die weiße Orchis duftet für den Wind.
Es singt die scheue Drossel in den Misteln
nicht mehr für sie. Sie wandern taub und blind.

 

Sie hören nur den Fall der Fichtenzapfen,
Angstlaut des Hasen, den die Schlinge würgt.
Sie schleichen auf des Wilds geheimen Stapfen
und spähen, wo das Eichhorn sich verbirgt.

 

Was tragen noch die Bäume Reis und Blüten?
Sie sammeln hastig, was als Abfall niederstiebt.
Sie müssen sich vorm Jäger und der Herrschaft hüten
und vor dem Hühnerhund, der sie nicht liebt.

 

Oft rasten sie auf heißen Sommerschlägen.
Die Angst der Diebe macht die Glieder schwer.
Tollkirschen drängen sich dem Mund entgegen.
Bald warnt das ferne Vaterwort nicht mehr,
wenn sie, gebannt von schwarzen Beerenaugen,
hinlangen, süßen Tod zu saugen.


"Zwischen Wäldern und Schloten, 1933

Der Wald kommt in die Fabrik

 

Als die Maschinen gellten, war der Wald verbannt.
Die Schlacke fraß das Grün, die Nessel wuchs geheim.
Der Baum verkümmerte, erstickt im Sand.
Der Mensch war Herr und duldete nicht Halm noch Keim.

 

Doch das verstummte Werk steht leer und aufgetan.
Es kehrt der Wald voll Macht ins Tal zurück.
Schon grünt das Birkenlaub auf Schlot und Kran,
und Schlingkraut rankt sich bunt um die Fabrik.

 

In den zerborstnen Öfen wohnt die Hasenbrut.
Aus morschen Balken schwärt der Flechten Filz.
Gewaltig schwillt der Weiden Samenflut.
Verfaulter Beifuß nährt den Pilz.

 

Den Schienenstrang verwuchern Moos und Schorf,
und aus den Kesseln qualmt Gestank von Lauch.
Bald steht die alte Wildnis vor dem Dorf,
und höhnisch kreischt der Häher aus dem Strauch,
wenn durch Gestrüpp, Gerank und wirres Ried
der Mensch mühsam die erste Furche zieht.


                 "Zwischen Wäldern und Schloten, 1933"

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