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Aus dem Gedichtband: Unter den schweigenden Sternen, 1943

 

Junger Mond

 

O Licht, du ungewohntes!
Aus dunklem Schattental
hebt sich das Horn des Mondes
wie eine Braue schmal.

 

Der Felder warmer Brodem
bleibt unten, erdgebannt.
Des Himmels kalter Odem
schweigt überm wirren Land.

 

Die Sichel schwebt, die schmale,
hin in den Hauch aus Eis.
Ich schau mit einem Male
den rund erfüllten Kreis.

 

So hält die goldne Zwinge
das Brot in der Monstranz.
Der Mond schließt sich zum Ringe
in ahnungsvollem Glanz.

 

Ich schau verwirrt, befangen
das Himmelswunder an.
O Nacht hör mein Verlangen,
lös mich aus meinem Bann!

 

Glüh aus die Herzensgründe,
dass ich, klar wie ein Firn,
erschau, ob ich mich ründe
wie einstens das Gestirn!


"Unter den schweigenden Sternen, 1943"

Winter

 

Leiser gehn des Flusses Laute.
Auf den Weiden klirrt sein Hauch.
Rehe, die dem Wald vertrauten,
frieren unterm nackten Strauch.

 

Fische blicken unterm Eise.
Bunte Vögel stoßen hin.
Doch im Busche hockt das weiße,
blutberauschte Hermelin.

 

Krähen, die verstummten Rufer,
lauern scharf im schiefen Wind
auf den Wanderer am Ufer,
der den Fluss hinunter sinnt.

 

Und nun stößt der Mond die bleichen
Sichelhörner aus dem Schnee.
Sterne zeichnen alte Zeichen
über Vogel, Fisch und Reh.


"Unter den schweigenden Sternen, 1943"

Im Nebel

 

Kein Windhauch bebt. Kein Schatten winkt.
Ein Baumgerippe bleicht, versinkt.
Es ruft kein Hund, kein Hahn.

 

Ich höre meinen Schritt im Schnee.
Ich weiß es nicht, wohin ich geh.
Mein Herzschlag treibt mich an.

 

Nur über mir, da qualmt und rinnt
der Nebel träg im Flügelwind.
Wen lockt mein Leib? Wen stört mein Schritt?
Die stummen Raben flügeln mit.


"Unter den schweigenden Sternen, 1943"

Einer ledigen Mutter

 

O wie schön ist dein Kind,
das im Schattengras ruht,
wie du selbst, junge Frau,
wie dein blühendes Blut.

 

Die da kommen und schaun,
hämisch ziehn ihr Gesicht,
aus dem Dorfe die Fraun,
hör ihr Hexenwort nicht!

 

Denn sie brannten wie du,
und sie sangen im März,
aber klein war ihr Mut
und zu schwach war ihr Herz.

 

Und der Spott, der dich trifft,
ist der Neid, der verzehrt,
und ihr Hass ist das Gift,
das die Ängstlichen nährt.

 

Aber du horchtest auf
wie der Baum, wie das Tier,
als die Stunde dich rief,
und du standest zu dir.

 

Gib dem Kinde dein Maß,
trag es stolz übers Feld,
und der Schläfer im Gras
wird ein Starker der Welt.


"Unter den schweigenden Sternen, 1943"

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