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Aus dem Gedichtband: Im Nebel der Zeit, 1984

 

Teil I: Der Maler

 

Das Blattgrün der Pflanzen verwandelt
Licht und Erde in Brot;
Den Atem des Unsichtbaren
Der Maler in Zeichen und Bild.

 

Im Nebel der Zeit, 1984

 

 

Wenn Bilder von mir
in vielen Häusern die Wände schmücken:
Gut ist´s, Geld in der Tasche zu haben.
Doch sonst?
Wenn ich das Wort gebrauchte
anstatt der Farben,
was sollten die Käufer den Gästen zeigen?

 

Im Nebel der Zeit, 1984

 

 

Er schaut und bedenkt die Welt
aus seiner ländlichen Hütte.
Warum auch nicht?
Ob Großstadt, tropischer Strand oder Firn,
wer schaut nicht mit eigenen Augen!
Die Weite des Horizontes
liegt nur in ihm.

 

Im Nebel der Zeit, 1984

 

 

Der Meister verließ kaum sein Dorf.
Er spürte jedoch wie keiner
den Wind, der zu Besuch kam,
den Atem, der gestern nach Ozean roch,
nach Adria heute, dann wieder nach Steppe
und jeden Abend,
zur Rosenblüh selbst,
nach ewigem Eis.

 

Im Nebel der Zeit, 1984

 

 

Es stimmt,
ich habe früher anders gemalt.
Ich lebe ja.
Wer aber will der Nuss
die grüne, bittere Schale
Zum Vorwurf machen!

 

Im Nebel der Zeit, 1984

Teil II: Im Nebel der Zeit


Ich kannte einen, der jung war,
als er meine Verse entdeckte.
Er kam aus der Armut wie ich
und brauchte die größere Freiheit,
nur um zu atmen,
und suchte den Weg aus dem Grau.
Er schaute mit meinen Augen.
Mein Vers beleuchtete nur
die uns gemeinsame Sicht.

 

Im Nebel der Zeit, 1984

 


Zum Abend rauscht der Fluss, der gestaute,
ungestüm wieder ins alte Bett,
wie dein vom Werk geknebeltes Ich
aufbricht, strömend, Naturgewalt,
fordernd, endlich zu tun, was du sollst.
Verzichte nicht, du vermagst es!
Bleibe der Abend dir morgen bestehn auch,
die währende Hoffnung!

 

Im Nebel der Zeit, 1984

Silberne Netze der Spinnen,
hundertfach flimmernd im Herbstlicht
über die Wiesen, auf Beute lauernd,
schimmernde Täuschung:
Unter den Garnen blühen noch immer
Augentrost, Zeitlose, Enzian,
wie auch wir unter hunderten Netzen
glitzernder Lügen
immer noch Wahrheit und Wirklichkeit wissen.
Das aber werden die listigen Weber
im Chitin ihrer Dogmen
niemals erkennen.

 

Im Nebel der Zeit, 1984

Teil II: Nachher (Der Gefährtin)


Wenn dann die Glocken verstummt sind, die
Trauermärsche der Bläser
(du weißt, ich wünschte sie mir trotz der
verstimmten Trompete),
wenn dann die Freunde von auswärts wieder
zur Abfahrt sich rüsten,
bestens bewirtet; wenn du mit ihnen den
Riesling gekostet,
ja, dann bleibt nur die Rückkehr ins dennoch
kältere Haus.
War ich auch nimmer strahlende Wärme, noch
atmete ich.
Näher, befürcht ich, wirst du das Meer der
Leere vernehmen,
das uns ja ständig umlauert. Denk an die Worte
der Freunde!
Viele galten nur dir, ich weiß. Dann versuche zu
schlafen.
Mag auch die Leere noch lauern, morgen ist
alles schon milder.

 

Im Nebel der Zeit, 1984

 

 

Was durfte ich aus dir lesen
in den gemeinsamen Jahren?
Ich glaubte dich mir nah,
und konnte doch nur erfahren,
was ich vom eigenen Wesen
in dir gespiegelt sah.

 

Im Nebel der Zeit, 1984


 

Als ich noch jung war,
bin ich den Freunden
zu oft ins Wort gefallen
aus Unverstand.
Wieviel mir damals
entfallen ist,
weiß ich erst heute.

 

Im Nebel der Zeit, 1984

 

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