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Walter Sachs - Biografie

Porträt von Walter Sachs, gezeichnet von Fritz Küffer
 
Der Schriftsteller Walter Sachs
Walter Sachs als Knabe
 
Der Schriftsteller Walter Sachs
 
Der Schriftsteller Walter Sachs
Walter Sachs mit Gattin Marianne

 

(* 9. Dezember 1901 in Traisen; † 5. März 1985 in Lilienfeld)

 

1901 wurde Walter Sachs in Traisen als Sohn eines Fabriksarbeiters und einer Magd geboren. Bald verlor der Vater seine Stelle als Eisengießer in Traisen. Als Walter sieben Jahre alt war, konnte der Vater in Göblasbruck wieder Arbeit in der Gießereifabrik bekommen. Der junge Walter besuchte die Bürgerschule im benachbarten Wilhelmsburg und dann das Lehrerseminar in St. Pölten.

 

Konfrontiert wurde er mit der harten Realität der Gießereiarbeiter deshalb, weil er jahrelang dem Vater das Mittagessen in die Fabrik trug und dort in den verstaubten und verschmutzten Hallen die Mittagspause mit ihm verbringen durfte. Walter hasste diese ihn beinahe bedrohenden Maschinen, wiewohl sie ihn aber auch faszinierten.
Aber nicht nur die Welt der Werkshallen brachte ihm der Vater näher, an den Sonntagen durchstreifte er mit Walter die Wiesen und Wälder seiner Ahnen. Der Vater hatte als jüngerer Bauernsohn den bescheidenen Hof zu verlassen und in die Fabrik auszuweichen. Auf diesen Spaziergängen schärfte Walter Sachs seinen Blick für die Vorgänge in der Natur.

 

Leseprobe: Der Vater

 

Im Lehrerseminar beeindruckte ihn die Dichtung Georg Trakls (bezüglich seiner Sprache) und des Expressionisten Gustav Sack (ein deutscher Dichter vom Niederrhein), bekanntester Roman: "Ein verbummelter Student". Der Student geht sehenden Auges hinaus in die Natur. Davon war Walter Sachs fasziniert, die Thematik des Romans, die Natur zu beschreiben, fesselte und beeinflusste ihn nachhaltig.

 

Leseprobe: Der Pirol

 

Die erste Anstellung als Lehrer bekam er 1920 an der Schule seines Heimatortes Traisen, später unterrichtete er auch an verschiedenen Schulen des Bezirkes Lilienfeld.
1921 schloss er seine erste Ehe, die aufgrund einer schweren Krankheit seiner Frau eine sehr schwierige wurde.
1929 übernahm Walter Sachs die Leitung eines Laienorchesters in Traisen. Diese Zeit war geprägt von Armut, Arbeitslosigkeit und Hoffnungslosigkeit der Menschen.
Mit vielen arbeitslosen Jugendlichen und dem Orchester spielte man damals in Traisen Bühnenstücke von Anton Wildgans, Bert Brecht und Gerhart Hauptmann. Walter Sachs übersetzte "Die Weber" aus dem Schlesischen in die Traisner Mundart.

 

Mit seinem Freund Franz Lettner (von 1961 - 1968 Bürgermeister von Traisen) gründete er 1931 die "Roten Spieler von Traisen" ein politisches Kabarett, das ihre politische Meinung mit großem Erfolg in viele Orte der Umgebung verpflanzte.


Leseprobe: Die Arbeitslosen im Wald

 

1933 wurden die "Roten Spieler" als  Mitglieder des Schutzbundes von der Obrigkeit wegen "Beleidigung des Heeresministers" verboten - Walter Sachs wurde angeklagt, zu einer Geldstrafe verurteilt und nach St. Veit/Gölsen strafversetzt, wo er bis zum Kriegseinsatz 1943 als Lehrer beschäftigt war. Nichtsdestotrotz erschien
1933 mit "Zwischen Wäldern und Schloten", sein erster, für Österreichs Literatur wirklich bedeutender Lyrikband. Hier werden schon mit dem Titel die Lieblingsthemen - uralte bäuerliche Kultur und moderner Fabriksbetrieb, ihre Wechselwirkung und ihr Mit- und Gegeneinander, offenkundig.

 

1935 erfolgte seine erste literarische Auszeichnung mit dem Julius-Reich-Preis der Universität Wien
Im Gegensatz zur herrschenden Realität, dem Zweiten Weltkrieg, an dessen Westfront Walter Sachs eingesetzt war und wo er auch in amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet und in Südfrankreich interniert wurde, erschien
1943 der Lyrikband "Unter den schweigenden Sternen" der den Problemen entrückte, dem Bleibenden zugewandte Gedichte umfasste.

 

Die Heimkehr nach dem Krieg war auch für Walter Sachs ein Tiefschlag. Die Welt hatte sich verändert, seine Frau war 1944, während des Krieges ihrer schweren Krankheit erlegen. Seinen Beruf durfte er anfangs nicht ausüben, es herrschten chaotische Zeiten. Besatzungsmächte hielten die Menschen im eigenen Land unter Druck, Walter Sachs verdingte sich als Arbeiter im Steinbruch, später als Gießereiarbeiter, wie einst der Vater, kehrte der Fabrik den Rücken und verdingte sich in der Landwirtschaft. Er half seinen Verwandten, das im Krieg zerstörte Anwesen Buchersreith wieder aufzubauen und lernte dort seine 2. Frau Marianne kennen und lieben.

 

1950 heiratete er Marianne, sie verbrachten ihre Tage auf Buchersreith, dem Besitz seiner Vorfahren. Am Fuß des Berghanges, auf dem sich der Bauernhof befindet, steht seine Schule, er war wieder als Lehrer tätig.
Walter Sachs verfasste in diesen Jahren für die Jugend eine "Heimatkunde von Traisen", leitete jahrzehntelang ein Streichorchester in Traisen und wirkte an der Gestaltung der Lilienfelder Heimatkunde maßgeblich mit.

 

In der Neuen Wiener Tageszeitung vom 8. Dezember 1951 findet sich folgender, von "Silvanus" gezeichneter Artikel:

"Walter Sachs - ein Fünfziger
Der niederösterreichische Lehrerlyriker Walter Sachs vollendet morgen in Traisen, wo er auch - als Sohn eines Arbeiters - geboren wurde, sein 50. Lebensjahr. (...) Er wurde in steigendem Maße der Mund jener Gemeinschaft, der er entstammt, der Sänger des österreichischen Alpenvorlandes, wo uraltes bäuerliches Kulturland und moderne Industrie einander innig durchdringen. Wahrhaftig "Zwischen Wäldern und Schloten", wie eines seiner Gedichtbücher heißt, sind seine Verse entstanden, und so ist Sachs folgerichtig der Dichter des österreichischen Industriedorfes geworden, dieser bizarren Mischung aus Natur und Zivilisation.
Deren tödliche Feindschaft geistert nun unheimlich großartig in seinen Gedichten. Fron und Zwänge der mechanisierten und mechanisierenden Fabriksarbeit, dumpf gefühlt und erlitten von der Masse, wurden Stimme durch diesen einen. Der Liebe des Dichters (...) zur Natur entsprangen weiter seine vielgestaltige, formenreiche Landschaftslyrik (...) und endlich seine an Löns, Leifhelm und Günther Schwab gemahnenden Naturschilderungen in betrachtender Prosa.
In der Summe: Wir haben heute Walter Sachs als einen der besten zeitgenössischen Vertreter der österreichischen Gesellschafts- und Naturpoesie zu bedanken. Vor allem die monumentalen Bergbauern- und Industriearbeitergestalten dieses Lyrikers zählen zum bleibenden Symbolbesitz unserer heimischen Dichtung."

 

Die schönsten Gedichte aus den vergriffenen Bänden "Zwischen Wäldern und Schloten" und "Unter den schweigenden Sternen" finden sich in dem
1956 herausgebrachten Sammelband "Der Wintergast".

 

Leseprobe: Einer Ledigen Mutter

 

1960 folgten die stark zum Gleichnishaften in der Natur hinführenden, zu knappsten Versgebilden kristallisierten Gedichte in "Der Karneol"

 

Leseprobe: Morgen im März

 

Für sein vorbildliches Wirken als Lehrer und Erzieher zeichneten ihn Bezirksschulrat und Landesschulrat wiederholt aus und er wurde
1962 zum Schulrat ernannt.
1963 erhielt Walter Sachs den Würdigungspreis des Landes Niederösterreich.
1964 erschien "Schlehdorn", eine Lyriksammlung.

 

Norbert Langer beschreibt Walter Sachs im Jahr 1965 in seinem Buch "Dichter aus Österreich":

 

"Ein Schrebergärtner, eine ledige Magd, ein alter Vagabund, der als Wintergast im Bauernhof einkehrt, die Bergbauern und die Arbeitslosen im Wald - alle diese Gestalten bezeugen das warme soziale Empfinden des Dichters, der sein Gefühl auch dem Tier entgegenbringt, das er in seine Dichtung einbezieht.
Am meisten gehört sein Herz den Pflanzen, die er im Wandel des Jahres betrachtet. Sachs ist weniger dem Bewegten hingegeben, auf die Entwicklung bedacht, als dem Beständigen zugewandt, dem Gleichen und immer Wiederkehrenden in der Natur, dem Beharrenden in unserer Kultur.
Dem entspricht die Gabe der genauen Beobachtung, nicht die Gabe der beschwingten Phantasie, die Treue gegenüber dem natürlichen und geheiligten Wachstum. Hand in Hand damit geht ein besonderes Konzentrationsvermögen.
Aus der stillen Landschaft hat der Dichter eine tiefere Welteinsicht gewonnen, aus dem Acker, der Wiese, dem Wald eine reichere Welterfahrung geholt, als sie ihm vielleicht weite Reisen gebracht hätten.
Nicht schmal ist seine Dichtungsbreite, sondern sie spiegelt eine ungeheuer weite und tiefe Welt.
Besondere Farben gewinnt Sachs im Sprachlichen durch das Partizip, das er im Präteritum wie ein Eigenschaftswort gebraucht (umrudert, durchschauert, ungeschaut, wintervermummt), im Präsens als rhythmischen Ansporn (spiegelnd, schaffend, blutgierfunkelnd)."

 

In den jüngsten Gedichtbänden ist alles gedanklicher, knapper, auf das Wesentliche beschränkt, die Verse sind größtenteils reimlos hingesetzt, auf den Symbolwert bedacht.
Der Vollmond etwa gibt das Bild des Wandels: den Augenblick zwischen Noch-nicht und Nicht-mehr.

 

Was der Lyriker sich formal erarbeitet hat - die knappe Diktion unter Verzicht auf jede Weitschweifigkeit, den treffsicheren Blick und den zielsicher adäquaten Ausdruck -, kommt dem Prosaisten Walter Sachs zugute.
"Bewahrte Landschaft" (1957) und "Erdrauch" (1962) geben von innen durchleuchtete kleine Bilder aus der Natur, in denen immer ein Ganzes und Wesentliches eingefangen ist, das Große, um das es in unserem Dasein geht. Zunächst bringen sie eine genaue reale Sicht der Dinge und Vorgänge, ob es um Froscheier inmitten des schmutziggrauen Schlamms geht, um raschlebige Weiden, um die neunblättrige Zahnwurz.
Das Geringste hat eine Botschaft mitzuteilen, denn Geheimnisse und Wunder sind überall da, selbst in den verkarsteten Gesichtern der Menschen. (...)

 

Er gewahrt überall das Aufleuchten der Schöpfung und prägt es ins Wort. Sachs ist hier wie im Gedicht ein Freund der Nähe: er sieht, woran andere vorübergehen, empfindet das zarteste Schweben, trifft die feinste Nuance des Tones. Dann wieder lässt er sich manchmal vom Blick in die Weite verführen, sieht nicht nur den Himmel, den Horizont, sondern auch große Zusammenhänge. Hiezu gehören die strenge Sicht des Problems Mensch und Maschine, das Wissen von der Urzeit, die in unsere Gegenwart reicht, das Ahnen der Spur in die Zukunft. (...)

Walter Sachs ist ausschließlich der kleinen Form der Betrachtung und der Lyrik zugewandt. Er hält sich ganz vom Roman und vom Theater zurück.

 

Er ist sparsam mit seiner Dichtung, ein ausgesprochener Wenigschreiber. Aber da er voll Spannkraft unendlich viel erlebt, ballt sich der Stoff in komprimierte Sätze. Er gibt dem Leben den unbedingten Vorrang vor phantastischen Inhalten, dem einfachen Stil vor der artistischen Metierbeherrschung. In Blick, Sprache, Gehaben bleibt er der schlichte Mensch. Er ist noch dem Ursprung nahe wie der Farn, wie das Moos, wie das nimmer alternde Auge des bäuerlichen Brunnens. Wie dieser ist sein Werk eine Stätte der Rast, der Besinnung, der leisen Tröstung.

 

1965 Im Geschichtenband "Der Sammler", in welchem jedes einzelne der sieben vereinigten Stücke Erinnerungen aus dem Weltkrieg bringt, erzählt er aus der Stille des Heimgekehrten nüchtern-verhalten und innig-unaufdringlich.
1967 schließlich erhielt Walter Sachs den Preis der Theodor-Körner-Stiftung.
Zu Beginn der 60-er Jahre hatten die produktivsten Jahre des Dichters Walter Sachs begonnen. Er musste sich nicht mehr seinem Beruf widmen, lebte auf Buchersreith mit seiner Marianne und der Dichtung. Das soziale Elend in seiner Dichtung hieß nun nicht mehr Hunger, sondern Entfremdung und Vorurteil.
Aber auch mit dem Umweltproblem setzte er sich auseinander, zwanzig Jahre früher als die Realität die Politiker dazu zwang.
Zahlreiche Künstlerfreunde kamen zu Besuch und lange Gespräche inspirierten sowohl Walter als auch die Literaten, Maler und Musiker, die er seine Freunde nannte.

Der Schriftsteller Walter Sachs

Die Dichter Franz Richter, Wilhelm Szabo, Dr. Franz Nabl, Dr. Friedrich Sacher, Franz Kießling, Albert Janecek, Hans Giebisch, Abt Norbert Mußbacher, der Tierarzt und Maler Dr. Eduard Schwägerl, die Maler Fritz Küffer, Franz Traunfellner, Heiner Rotfuchs, Wilhelm Ulrich, Franz Erntl und Karl Plattner, Familie Sengstschmid, Albert Reiter, Richard Maux und die Domorganistin des Stiftes Lilienfeld Prof. Dr. Karen de Pastel. Diese Auseinandersetzung mit der Kunst, Walter Sachs nennt es "Theoretisieren" findet natürlich ihren Niederschlag in seiner Dichtung.

 

1968 erschien "Die Freude zu blühen",
1969 dann der Gedichtband "Spätherbst" und
1972 "Wald vor dem Haus", Erzählungen und Betrachtungen.
Walter Sachs lässt uns die Landschaft als ein Elementarereignis erleben:
Vom Vorfrühling zum hohen Sommer, zum verhaltenen Herbst und in den eisigen Winter.
Wir hören wieder "den sanften Puls der Erde" und erkennen "das Urgesetz der Wälderräume", in denen Sein und Tod einander liebend speisen.
Von der Kreatur hat Sachs gelernt, dass einer des anderen Tod und Untergang ist, bang hütet er diesen "Brandpfahl von Gottes ewigem Licht" in seiner Seele. Doch zerbricht seine Angst an der Erkenntnis, dass aus jedem Tod das flammende Leben bricht. Es zu lieben, immer mehr, es zu pflegen, immer sorglicher, es im Wesen seiner Formen zu erkennen, immer genauer, es immer wieder staunend zu verehren, sich selbst eins zu fühlen mit diesem Leben - das ist seine tiefste menschliche Aufgabe, ist der Kern seiner Dichtung.
1973 wurde Walter Sachs vom Bundespräsidenten mit dem Titel Professor ausgezeichnet.
In einem Gespräch mit dem Autor dieser Biografie bekannte Walter Sachs: "Wozu aller Reichtum, wenn uns nicht mehr die Zeit, nicht einmal die Bereitschaft zu einem Gang über die Felder bleibt?"
Erst im Alter konnte er (mit Ausnahme der Kriegsjahre) seinen geographischen Horizont erweitern und besuchte vorzugsweise den Mittelmeerraum.
Er musste feststellen, seine Liebe zu Italien leider zu spät entdeckt zu haben. Sosehr er sein Alpenvorland liebte, fand er Gefallen an den Olivenhainen in der Toskana als Gegensatz dazu. Besonders liebte er Südtirol, die venezianische Ebene, am stärksten beeindruckte ihn Verona.
Prof. Dr. Karin de Pastel, die Domorganistin des Stiftes Lilienfeld wurde auf die Lyrik des Walter Sachs aufmerksam und vertonte unter anderen folgende Sachs-Gedichte: "Kreatur", "Hände", "Allerseelen", "Weg in den Tag"

 

1976 erschien ein weiterer Lyrikband: "Brückenbogen".
1980 folgte ein Buch mit Betrachtungen "Winterwirklichkeit" zu dem Fritz Küffer den Umschlag gestaltete. Bereits 1981 kam sein Büchlein "Pinselstriche" auf den Markt. Darin finden sich Bilder, Sprüche und Gedichte, die dem Haiku - einer japanischen Versform - sehr nahe kommen.
1984 war es ihm zum letzten Mal vergönnt, sich über ein Erscheinen eines Gedichtbandes zu freuen. "Im Nebel der Zeit", Gedichte und Sprüche war im Niederösterreichischen Pressehaus gedruckt worden.
Am 5. März 1985 verstarb Prof. Schulrat Walter Sachs an den Folgen eines Schlaganfalls. Er arbeitete gerade an seinem nächsten Gedichtband, der
1986 unter dem Titel "Bild und Inbild" auch erschien. Die Ankündigung im Verlagsprospekt der Edition Maioli war die letzte Freude, die er vor seinem Tod noch erleben durfte.
1991 wurden mit "Späte Prosa" die letzten literarischen Kostbarkeiten von Walter Sachs verlegt. Herausgeber Alois Eder zum letzten Band von Walter Sachs:


"Nicht nur als Lyriker, wie ihn der Sammelband "Bild und Inbild" zeigt, ist Walter Sachs, der Dichter des Traisentals erfolgreich hervorgetreten, sondern auch als Prosaist. Dass dabei das Erzählen gegenüber den einfühlsamen Naturbetrachtungen zurückstehen musste, sucht dieser Band aus dem in Traisen von Witwe Marianne betreuten Nachlass gutzumachen: er enthält neben einer Anzahl vom Dichter noch selbst zur Publikation vorbereiteten Betrachtungen eine ganze Anzahl bisher unveröffentlichter Erzählungen. Wir erleben einen Spannungsbogen von der ersten leidvollen Welterfahrung des Knaben bis zur abgeklärten Weisheit des Alters."

 

 

Einige Zitate über Walter Sachs:

 

Man kann nicht sagen, dass der wiederholt preisgekrönte Lyriker (der er auch in der betrachtenden und erzählenden Prosa dem stilistischen Anspruch nach bleibt) einfach ein "Naturdichter" sei. Aber die überlegen überlegte Einfachheit, mit der er sich auch auf soziale Verwicklungen seinen Reim zu machen versteht, verrät den von Natur aus exponierten Standort: Er wohnt auf einem Berg, "200 Meter über dem Traisental beheimatet" (wie Franz Richter im Nachwort zu "Brückenbogen" zu Recht hervorhebt), und ist aus solcher Lage gewohnt, Dinge und Ereignisse zu überblicken, keineswegs zu übersehen. "Industriedorf" ist ein geradezu religiöses Gedicht, und "Einer gotischen Heiligenfigur" kommt er mit Versen auf den Grund, die man als sozial engagiert bezeichnen könnte.


Prof. Edwin Hartl (Die Furche, 1977/1, Wiener Bücherbriefe, 1977/5)

 

 

"Die Bilder, Sprüche und Gedichte von Walter Sachs sind Zeugnisse eines wortgewaltigen und bilderreichen Naturmenschen dem Bild und Vers Bekenntnis und Gebet sind"


Alfred Warnes, Wiener Zeitung, 22.11.1981

 

 

"Walter Sachs hat in einer Erzählung des Bandes "Der Sammler" den Abschied eines Soldaten von den Dingen dargestellt: "Alle geliebten Geschöpfe werden mir immer mehr zum Wegweiser, zum Gleichnis". Nachvollzug im Wort wird verwandelt in Zeichen, Schrift, in "Pinselstriche" (1981). Stellenweise nähert sich diese Kunst dem Haiku.


Kurt Adel, Aufbruch und Tradition, Wien 1982

 

 

"Die Kunst des Walter Sachs ist die der Wahrnehmung, für die er sich im Laufe seines Lebens eine eigene Form erarbeitet hat. Vielleicht bezeichnet "Genrebild" diese Form am zutreffendsten. Es sind Lebens- und Geschehnisausschnitte, bei denen es mehr auf die Abfolge von Erfahrungen als auf die Kette von Ereignissen ankommt. Ihr großer Reiz liegt darin, dass diese Wahrnehmungskunst höchste Genauigkeit und feinsinnigste Unterscheidungen erreicht, und zwar auf allen Ebenen der Wirklichkeit, von der Geologie über die Klimatologie zur belebten Natur und zur seelenkundlichen Darstellung bäuerlicher und kleinstädtischer Charaktere.
Besonders bei den Pflanzen und Tieren strömt etwas von Erfahrungswissenschaft, von Botanik und Biologie in diese intuitive Wahrnehmungsfähigkeit ein, ohne die sprachliche Reinheit mit Fremdwörtern zu belasten.
Der Kleinhäuslersohn Walter kennt die Armut in allen ihren Ausformungen und Qualen: als bäuerliche Enge und Not, als entfremdende Ausbeutung durch den Fabriksherrn, als Arbeitslosigkeit, als Klassenkampf mit Streik und militärischem Einsatz, als täglicher Hunger in der Gefangenschaft, als Ausgestoßensein aus angestammten Gemeinschaften.
Er sieht in der Armut nicht die Schande der Armen, sondern die Schande der Menschheit, sofern sich Ungerechtigkeit in einem Akt juridischer Heuchelei gesetzlich zu untermauern sucht.
Auch solche Klarsicht auf die immer wieder vertuschte Unzulänglichkeit der Gesellschaft ist ein Leitmotiv, welches durch das ganze Buch geht.
Walter Sachs ist kein Fabulierer, kein Geschichtenerfinder, denn sein Verantwortungsgefühl gegenüber der Wirklichkeit, seine Ehrfurcht vor den schöpfungsmäßig gegebenen Tatsachen ist zu groß, als dass er auch nur daran denken könnte, sie zu manipulieren, zu arrangieren, um zentrierende Spannungseffekte zu erreichen, wie sie die echte Novelle anstrebt, wenn sie die Handlungsstränge allesamt verzwirnt und auf einen einzigen Punkt zusammenlaufen lässt. Solche Zentralperspektive liegt ihm nicht. Die Lebensbilder, die er zeichnet, ähneln in ihrer Perspektive der Malerei Pieter Breughels oder auch der chinesischen Landschaftsdarstellung. Da hat jedes Ding, jeder Mensch gleichen Anspruch auf Raum, Zeit und Aufmerksamkeit.
Er wird nicht in den absoluten Raum hineingestellt, sondern bringt seinen Eigenraum, seine Eigenzeit mit.
Erfahren ist eine Kunst, schreibt Walter Sachs. Die höchste Erfahrung ist das Geheimnis. Man kann um das Geheimnis wissen, aber man kann niemals das Geheimnis selbst wissen. Und doch ist es möglich, Geheimnisse zu vermitteln. Dies war der menschliche und künstlerische Lebensauftrag dieses Dichters, dies ist das Geschenk an uns in diesem Buch. Denn Walter Sachs war selbst Wahrheit, insofern er und weil er in seiner weiten Natur überall Liebe gab, eine wohltemperierte Liebe, so wohltemperiert wie es die Orgel sein kann, die in diesem Nachlassbuch zweimal den Zentralraum eines Genrebildes einnimmt.
Musik - eine Sache der Schwingungszahl, also des Messbaren, der Quantität, deren anderes Gesicht das Unermessliche der Qualität darstellt.
Musik - das nüchternste und tiefste Gleichnis, das uns die Welt bietet und das Walter Sachs immer wieder umkreist hat."

                  

Franz Richter, Text zur Präsentation von "Späte Prosa", 1991

 

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